Warum müssen heute die Pflanzen an der Wand wachsen?

Drei Wege zu einer Wandbegrünung

Der Trend zur Wandbegrünung ist unübersehbar. Aber WARUM? Und WIE geht das? Das sind Fragen, denen ich nachgehen möchte.

Eine Wandbegrünung ist in den meisten Fällen mit moderner Steuerungstechnik verbunden, die es zu beherrschen gilt. Früher gab es den KFZ-Schlosser, heute gibt es Mechatroniker. Ich habe meinen Gesellenbrief noch als „Gärtner“ erworben; wie wird wohl der Vertikalgärtner von morgen genannt? Allein den Pflanzen das Wasser in der Vertikalen wohldosiert zur Verfügung zu stellen, ist eine technische Herausforderung.

Dass diese und andere Bemühungen auf sich genommen werden, um Pflanzen schön präsentieren zu können, zeigt mir, dass der Wunsch nach lebendigem Grün im Haus, Büro oder am Arbeitsplatz an Wert gewinnt. Das bestätigt mich in meiner Arbeit und stimmt mich positiv. Vor rund 40 Jahren revolutionierte die Technik der Hydrokultur die Innenraumbegrünung. Heute können wir erleben, wie die Wandbegrünung „erwachsen wird“, und wir sind live dabei!

Eine Wand mit verschiedenen grünen Pflanzen und Gräsern.

Die Frage nach „WARUM Pflanzen an der Wand?“ ist leicht zu beantworten:

  1. Der Wunsch nach Neuem, einem Statussymbol oder einem passenden Produkt für innovative Arbeitsplatzgestaltungen.
  2. Große, flächige Wirkung, ohne Wohnfläche oder Arbeitsfläche zu verlieren, Präsentation eines nahezu zweidimensionalen „Dschungels“ an der Wand.
  3. Chemophysikalische und psychische Funktionen wie Luftverbesserung, Schallschutz und Stressreduktion.
Damit ist auch gleich die Erwartungshaltung des Kunden umrissen, die er gegenüber seinem „Phytosystemtechniker“ hat.

WIE funktioniert die Wandbegrünung und welche Möglichkeiten gibt es?

Die Frage nach dem WIE ist weitaus komplizierter als das WARUM zu beantworten und füllt mittlerweile ganze Bücher; sie ist Thema auf verschiedenen Fachtagungen und von Forschungsarbeiten. Ich möchte Ihnen gleich drei Wege zu einer Wandbegrünung vorstellen, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen.

Erster Weg: die „echte“ Wandbegrünung

Die „echte“ Wandbegrünung mit lebenden Pflanzen in einem System, das ihnen in der Vertikalen Halt gibt und mit Wasser und Nährstoffen versorgt.
Eine Wand mit verschiedenen grünen Pflanzen und Blättern.

Es gibt die unterschiedlichsten Systeme: Das Angebot zur Wandbegrünung reicht von hoher Automatisierung und aufwendiger Technik bis zum Prinzip „keep it simple“. Allen Systemen gleich ist der hohe Pflanzenbedarf pro Quadratmeter, der den jeweiligen Preis bedingt.

Einen Quadratmeterpreis zu nennen, ist schwierig, da er nicht nur von der Systemwahl, sondern zum Beispiel auch von der Gesamtgröße abhängig ist. Fast jede Wand benötigt eine zusätzliche Belichtung mit speziellem Pflanzenlicht; die Anschaffung einer Anlage gehört mit zu den Kosten einer Begrünung.

Ich wage an dieser Stelle die Aussage, dass es am Ende fast immer auf einen Betrag von über 1.000 €/m² netto hinausläuft.

Hier eine kleine Checkliste für die Errichtung einer „echten“ Wandbegrünung:
  1. Idee der Wandbegrünung konkretisieren.
  2. Recherche, welches Begrünungssystem das richtige für meine Idee ist. Wer projektiert das Vorhaben, baut die Wand auf, koordiniert die Lichtplanung und bietet die Wartung und regelmäßige Pflege an?
  3. Bautechnische Voraussetzungen prüfen; meistens wird die Anlage fest mit dem Bauwerk verbunden. Übergabe der Gewerke festlegen, z. B. die der Klempnerei.
  4. Punkt 1 gegebenenfalls anpassen, überarbeiten.
  5. Budgetierung mit belastbaren Zahlen. Lichtanlage, Strom- und Pflegekosten nicht vergessen.
  6. Wartungs- und Pflegeplan, Fachleute vor Ort?

Zweiter Weg: Wandbegrünung mit konservierten Moosen

Eine Wandbegrünung mit konservierten Moosen und anderen stabilisierten Pflanzen – eine sehr pflegeleichte Begrünung, bleibt auch da grün, wo keine Pflanze mehr wächst.
Modernes Büro mit Moosbildern an der Wand

Es handelt sich um ein Naturprodukt, das schonend aufbereitet und stabilisiert wurde. Große Moosflächen strahlen die meditative Ruhe eines Moosbettes im Wald aus. Kreative Floristen und Floristinnen gestalten abwechslungsreiche und aufregende Arrangements mit stabilisierten Pflanzen. Die Kosten für eine Mooswand beginnen bei etwa 550 €/m² netto; aufwendig gestaltete „Dschungellandschaften“ können schon mal deutlich über 1.000 €/m² netto kosten. Günstiger sind vorgefertigte Moosbilder, die genauso wie ein Bild aufgehängt werden. Das Moos ist konserviert, das heißt, es muss nicht befeuchtet werden und erhöht auch nicht aktiv die Luftfeuchtigkeit. Unterschätzen Sie jedoch nicht den Placebo-Effekt!

Checkliste für die Errichtung einer Wandbegrünung mit konservierten Moosen:
  1. Idee der Wandbegrünung konkretisieren.
  2. Gestaltungstyp auswählen. Extras, wie zum Beispiel eine Logogestaltung, prüfen. Zertifiziertes Moos verwenden, um Kontamination oder schädliche Konservierungsstoffe auszuschließen. Begrenzte Einsatzmöglichkeit stabilisierter Farne beachten.
  3. Budgetierung mit Montagekosten, individuelle Anpassungen nicht vergessen.
  4. Punkt 1 gegebenenfalls anpassen, überarbeiten
  5. Terminplanungen; bei Sonderanfertigung lange Lieferzeiten beachten.
  6. „Moosanfänger“ auf den Geruch der neuen Wand vorbereiten. Er ist übrigens ungiftig und verschwindet mit der Zeit.

Dritter Weg: Alternative Lösungen für eine Wandbegrünung

Alternative Lösungen, damit sind nicht Fototapeten, sondern kreative Ideen gemeint, wie man sie vermehrt bei „Startups“ oder im „Urban Gardening“ findet.

Ein Klassiker ist die Europalette. Wir haben sie für den Innenraum modifiziert und mit wasserdichten Einsätzen versehen, in die pflegeleichte Hydrokulturpflanzen gesetzt wurden. Da die Holzpalette an sich dekorativ ist, muss die Wand nicht komplett mit Pflanzen gefüllt werden. So bleiben die Kosten bei etwa 280 €/pro Palette netto im Rahmen. Grundsätzlich kann man alles Mögliche an die Wand schrauben und dann bepflanzen – der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Die sozialen Netzwerke Pinterest und Instagram zeigen umfangreiche und interessante Anregungen. Vertrauen Sie jedoch nicht blind den schönen Bildern; viele Ideen sind kurzlebige, schwer zu pflegende Konstruktionen.

Hier eine kleine Checkliste für eine alternative Wandbegrünung:
  1. Inspirationssuche, zum Beispiel bei Pinterest, Instagram usw., Konkretisierung der Idee.
  2. Überprüfung der Tauglichkeit, zum Beispiel hinsichtlich der Wasserdichtigkeit und Pflegemöglichkeit. Pflanzenauswahl planen und Gefäßgrößen abklären.
  3. Achtung! Ein günstiges Ausgangsprodukt kann durch Modifizierungen wieder teuer werden.
  4. Punkt 1 und 2 eventuell anpassen, überarbeiten.
  5. Terminplanung
  6. Pflegeplan erstellen. Suche nach fachlicher Unterstützung.

Die Qual der Wahl – es führen viele Wege zu einer grünen Wand.

Hat sich erst einmal der Wunsch nach einer Wandbegrünung festgesetzt, beginnt das Sondieren der Möglichkeiten. Egal, in welche Richtung es gehen soll, wir beraten und begleiten Sie gerne auf Ihrem Weg zu einer grünen Wand. Sicher finden wir auch eine ganz individuelle Lösung für Sie.
 
Bis bald,

Johannes Meyer-Dohm

Signatur Meyer Dohm
Grüne Blätter vor einem Hintergrund aus vertikalen, grünen Matrix-Zahlenreihen.
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