Mein kleiner grüner Kaktus

Kakteen und andere Sukkulenten sind richtige Pflanzenpersönlichkeiten, die einen das ganze Leben, ja sogar mehrere Generationen begleiten können. „Er lebt schon sehr lange bei uns“, sagt Herr Haage und deutet auf einen Kaktus seines Großvaters.

Kakteen, „take-home“-Wissen:

Die Familie:

Sukkulenten sind Pflanzen, die Wasser speichern können. Dies tun sie z.B. in dicken und fleischigen Blättern, so auch die Aloe vera und viele andere, teils sehr wundersame Pflanzen.

Kakteen sind nur eine Pflanzenfamilie innerhalb der sukkulenten Pflanzen. Nicht alle Pflanzen, die wie ein Kaktus aussehen, sind auch wirklich botanisch ein Kaktus.

Die Familie der Wolfsmilchgewächse, zu der auch der Weihnachtsstern gehört, hat Vertreter, die durchaus als Kaktus durchgehen könnten. So qualifiziert zum Beispiel die botanisch richtige Benennung als Euphorbia und nicht als Kaktus den Gärtner und die Gärtnerin.

In einem sonnendurchfluteten Raum mit weißen Backsteinwänden stehen große grüne Kakteen in Töpfen

Stacheln oder Dornen?

Kakteen haben Dornen und Rosen Stacheln – richtig gelesen! So ist es botanisch korrekt! Die Dornen können wie große starre Krallen ausgebildet sein oder nadelfein mit einem Widerhaken daherkommen. Daher Vorsicht bei einigen Feigenkakteen! Deren scheinbar weich und kuschelig wirkenden Dornen brechen in der Haut ab und führen zu Juckreiz. Es gibt aber auch einige wenige Kakteen ohne Dornen, genauso wie es Nacktkatzen gibt…

Die Überlebenskünstler

Kakteen speichern Wasser, um Dürrezeiten zu überstehen. Sie sind hochspezialisierte Lebewesen! Forscher haben einen Kaktus beobachtet, der 8 Jahre ohne Wasser in einer Art „Stase“ überlebte. Muten Sie Ihren Pflanzen so eine lange Abstinenz jedoch besser nicht zu. Eine Gießpause von mehreren Monaten in der Vegetationsruhe kann unter bestimmten Voraussetzungen meist ok sein. Dagegen brauchen sie in der Wachstumszeit häufig mehr Wasser als angenommen!

Sonnenkinder

Fast alle Sukkulenten, insbesondere Kakteen, sind Sonnenanbeter und nur glücklich, wenn sie genug Sonne bekommen. Der „kleine grüne Kaktus steht draußen am Balkon…“. Dort an der frischen Luft in der Sonne fühlte er sich wohl. Dass Kakteen wenig Licht benötigen, ist falsch. Sie haben nur meist keine Blätter, die sie abwerfen können, sie leiden still.

Die Kaktusblüte

Das Wunder der Kaktusblüte – manchmal größer als die Pflanze selbst! Sie ist der Lohn guter Pflege und der richtigen Standortwahl. Für viele Arten ist ein kühles Winterquartier der Garant für einen Blütensegen.

Spezialisten im Einsatz

Sonnige, sommerheiße und winterkühle Standorte, an denen manch anderes verdorrt, sind d a s Einsatzgebiet für Sukkulenten. Der Wunsch nach einer bizarren Wuchsform und der verhältnismäßig geringe Pflegeaufwand verführten jedoch dazu, dass sukkulente Pflanzen auch immer häufiger nicht artgerecht eingesetzt wurden und werden: einer der vielen Kompromisse zwischen dem Gebot der Nachhaltigkeit und dem Wunsch nach lebendiger Dekoration.

Häufig begegnet mir in meiner Arbeit der Wunsch nach botanischer Vielfalt. „Authentisch“, „individuell“ und „vintage“ sind häufig zu vernehmende Schlagworte. Kakteen als mächtige Solitärpflanzen oder als liebevoll gepflegte Sammlung in unterschiedlichsten Gefäßen sind ein gutes Sujet für diese Art der Gestaltung. Die klare Form und das Skulpturale der Sukkulenten sind jedoch bei genauerer Betrachtung nie ganz aus der Mode geraten. Sukkulenten und besonders Kakteen hatten immer ihre LiebhaberInnen und erleben jetzt als Klassiker der vermeintlich guten alten Zeit (für die unverrückbar zum Beispiel auch eine bekannte Blattpflanze, die Monstera, das Fensterblatt, steht) ein Comeback.

Kakteen und Kakteen

Das Gemälde „Der Kaktusfreund“ (Carl Spitzweg, etwa 1865) zeigt den liebevollen Kakteengärtner als Archetyp. Auf Kakteenausstellungen und bei meinen Besuchen in traditionellen Kakteengärtnereien wie zum Beispiel der von Herrn Haage konnte ich diese „Species“ immer wieder beobachten, wie sie fachsimpelte, mit leuchtenden Augen ihre Pflanzen präsentierte und deren Historie bildhaft beschreiben konnte. Ich liebe diesen „Gärtner-Talk“, denn er zeugt von einer tiefen Zuneigung zur Pflanze.

Gegenüber dem für viele etwas altmodisch wirkenden Kakteenfreund, wie bei Spitzweg, gibt es auch einen modernen gestalterischen Umgang mit Sukkulenten.

So werden sie nach Farben arrangiert oder mit besonderen Gefäßen im stilvollen Ambiente in Szene gesetzt. Hier geht es in erster Linie um ein ästhetisches Vergnügen, bei dem die daraus folgende eingeschränkte Lebensdauer in Kauf genommen wird.

Ich bin selbst immer wieder beeindruckt, wie die Schönheit der Natur durch gärtnerisch-floristisches Können eine Steigerung erfahren kann.

hollari, hollari, hollaro!

Johannes Meyer-Dohm

Signatur Meyer Dohm
Grüne Blätter vor einem Hintergrund aus vertikalen, grünen Matrix-Zahlenreihen.
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