Die 10 Typen einer Bürobegrünung
Inspirationsquelle und Baukasten für immer wieder neue Kombinationen
Typ 1 – Von der Spontanvegetation bis zur „Grünen Woge“
Typ 2 – Verdichtung und Clusterbildung

Typ 3 – Das Korallenriff

Typ 4 – Struktur und Ordnung
Typ 5 – Grüne Regenerationsräume
Typ 6 – Alte Schule, die Kraft des Gewohnten
Typ 7 – Themenwelten, Inszenierung und Kulissen
Besprechungsräume mit Namen von Stadtbezirken, Persönlichkeiten oder Comicfiguren gibt es schon sehr lange. Häufig wurden diese Räume auch entsprechend dekoriert. Der Wunsch nach Wiedererkennbarkeit, Identität und Individualität ist weiter gewachsen. Moderne Unternehmen schaffen keine Büroräume, sondern unterschiedliche Arbeitswelten. Das agile Arbeiten ermöglicht heute das freie Bewegen in diesen Welten. Je nach Stimmung und Anforderung besteht die Wahl, im „Green Garden“, auf der „Piazza“, im „Bistro“ oder „Forest“ zu arbeiten.
Der Wechsel zwischen den Welten ist anregend, fördert die Produktivität und lockt die Menschen aus dem Homeoffice zurück in das Büro. Mit Pflanzen unterschiedliche Welten zu gestalten ist eine Herausforderung und meist nur mit Unterstützung von Kunstpflanzen möglich. Das gilt besonders für Themen wie „Gras Düne“, „Wüste“, „Unter Wasser“ usw. Die Pflanzenauswahl für das Büro ist begrenzt. Um Themen erkennbar zu machen, werden thematische Gefäße wie z.B. Fässer, Transportboxen, aber auch Dekorationen mit Baumstämmen, Moos oder Fototapeten wichtig.
Am Ende soll die gesamte Einrichtung eine Geschichte erzählen. „Storytelling“ nennt man das heute. Für ein Gelingen ist mehr als sonst eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit nötig. (siehe hierzu auch: „MODERNE ARBEITSWELTEN BRAUCHEN PFLANZEN“)
Typ 8 – Grüne Möbel, Möbel mit integrierter Begrünung
Immer wieder entdecken Hersteller von Büroausstattungen das Thema Pflanzen und entwerfen Möbel mit Pflanzeinsätzen. Dazu gibt es eine Hochglanzbroschüre über die erstaunlich positive Wirkung von Pflanzen auf die Qualität des Arbeitsplatzes. Die Übermittlung der Information, dass Pflanzen Ansprüche an ihren Standort stellen und nicht wie Möbel überall aufgestellt werden können, wird den Gärtner*Innen überlassen.
Durch die Integration von Möbeln ist eine üppige Begrünung auch da möglich, wo es wenig Stellfläche gibt. Der Klassiker ist der Pflanzaufsatz für das Sideboard. Es ist aber auch möglich, individuell entworfene Podestanlagen mit Pflanzeinsätzen zu versehen.
Integrierte Begrünungen eröffnen viele gestalterische Möglichkeiten, sind platzsparend und „modern“. Bei individueller Planung ist es wichtig, die Größe der Einsätze und speziell die nötige Innenhöhe (Pflanztiefe) zu beachten. Die Einplanung von Pflanzeinsätzen aus dem Standardsortiment kann sehr teure Sonderanfertigungen vermeiden.
Typ 9 – Selbstwirksamkeit, Bürobegrünung 2.0
Das, was eine Pflanze von allen anderen Einrichtungsgegenständen, Dekorationen usw. unterscheidet, ist ihre Lebendigkeit. Sie reagiert auf ihre Umwelt und verändert sich, sie wächst, gedeiht und kann sterben. Die Beschäftigung mit Pflanzen, ihre Pflege und die Verantwortungsübernahme ermöglichen viele Wege der Selbsterfahrung. Diese einzigartige Dimension bleibt bei einer Bürobegrünung bisher meist ungenutzt. (Siehe hierzu auch: „BEZIEHUNG PFLANZE – MENSCH, EIN ZERBROCHENER SPIEGEL?“)
Pflanzen benötigen eine kontinuierliche Aufmerksamkeit. Das lässt sich im Arbeitsalltag nicht immer umsetzen. Pflanzen brauchen auch Wasser, wenn alle im Homeoffice sind. Der Begrünungstyp „Selbsterfahrung“ koordiniert die Ansprüche der Pflanze mit den Arbeitsabläufen und ermöglicht es den Mitarbeitenden, sich selbst erfolgreich um ihre Pflanzen zu kümmern. Wie kann das funktionieren? Der Schweizer Architekt für Gebäudebegrünung Gerhard Zemp schlägt einen Pflanzenkiosk vor. Ich stelle mir das so vor, dass an einem zentralen Punkt mit hervorragenden Wachstumsbedingungen und unter gärtnerischer Pflege verschiedene Pflanzen bereitstehen. Wer möchte, nimmt sich eine Pflanze mit an den Arbeitsplatz und ist dann für sie verantwortlich. Bei Zeitmangel oder Überforderung kann die Pflanze einfach zurückgebracht werden. Das geht auch vorübergehend für z.B. eine Dienstreise, Urlaub usw.
Eine weitere Idee ist es, durch individuelle Namensgebung, z.B. „Fred Ficus “ und „Margot Marantha“ den Aufbau einer emotionalen Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen zu vereinfachen. Aber auch die Beschäftigung mit der Pflanze, Herkunft, Ansprüche usw., abrufbar z.B. über eine App, ist dabei hilfreich.
Der Begrünungstyp „Selbsterfahrung“ verschafft den Mitarbeitenden im besten Fall eine positive Selbstwirksamkeitserfahrung. Aber auch das schmerzhafte Erkennen, dass es keinen Erfolg ohne Scheitern gibt, keinen Gewinner ohne Verlierer, gehört dazu. (Siehe hierzu auch: „WARUM WIR EINE BÜROBEGRÜNUNG BRAUCHEN“)
Typ 10 – „Greenfilter“ und andere funktionelle Begrünungen.
Den Begriff „Greenfilter“ habe ich in einer Planung von Ippolito Fleitz entdeckt. Gemeint ist ein luftiger, leicht transparenter Raumteiler aus Pflanzen, kein „Luftfilter“. Separieren, Trennen und Strukturieren – das geht hervorragend mit Raumteilern. Eine begrünte Trennwand kann diese Funktion übernehmen und gleichzeitig für ein lebendiges und wohltuendes Büro sorgen.
Damit sind auch schon die wichtigsten Funktionen der Büropflanzen beschrieben, nämlich eine raumbildende und eine psychologische. Funktionen wie Luftverbesserung und Schallschutz werden meist nur durch technische Unterstützung erreicht und sind in der Regel hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit kritisch zu hinterfragen.
Wer Pflanzen effektiv einsetzen und nutzen will, setzt auf die allgemein positive Wirkung von Pflanzen auf uns Menschen. Dieser Effekt ist mittlerweile gut erforscht und nicht zu unterschätzen. (Die wider Erwarten geringe Luftverbesserungsrate und Schallschutzwirkung von Pflanzen werden so zum Teil kompensiert).
Bei einer funktionellen Begrünung im Sinne des Typs „Greeenfiter“ ist die Pflanze fester Bestandteil des Arbeitsplatzes. So kann der Blick zur Entspannung von der Monitorarbeit immer wieder kurz auf Grün verweilen. Grüne Elemente, z.B. auch Moosbilder, Vertikalbegrünungen, durchziehen das Büro und sind so aufgestellt oder angebracht, dass sie immer wieder im Blickfeld erscheinen. Bei diesem Gestaltungstyp erhält die Pflanze die Bedeutung einer guten Arbeitslampe oder eines ergonomischen Stuhles. Sie unterstützt das Wohlbefinden und ist in der Regel dabei Teil eines Gesamtkonzeptes, z.B. eines biophilen Designs. (siehe hierzu auch: „BIOPHILIC DESIGN – DER WUNSCH NACH NATUR“)
Das waren meine 10 Typen der Bürobegrünung. Wie sieht Ihre Bürobegrünung aus? Können Sie Teile davon wiederentdecken, vielleicht auch, wenn diese nie so konzipiert waren? Ein nachträgliches Aufladen mit Inhalt und Bedeutung schadet nicht!
In diesem Sinne bis bald, Ihr
Johannes Meyer-Dohm







